DaF-Di, 19. Feb. 2013: Herold: Sprachliche Stolpersteine für Fortgeschrittene


Beim Smalltalk vor einer Verhandlung könnte ein Finne seiner deutschen Geschäftspartnerin das Folgende sagen: „Als ich das erste Mal in Deutschland gekommen bin, konnte ich kaum Deutsch, aber jetzt kommen wir mit Jukka und auch ich kann schon mehr.“ Das klingt im ersten Teil peinlich (sexueller Anklang) und im zweiten Teil für die deutsche Gesprächspartnerin evtl. verwirrend, wenn nur Jukka und der Sprecher, aber keine weitere Personen vor Ort sind. Besser hätte man sagen können: „Als ich zum ersten Mal in Deutschland war, konnte ich kaum Deutsch, aber jetzt kommen Jukka und ich zusammen – und meine Deutschkenntnisse sind auch besser geworden.“

Es handelt sich hier um klassische sprachliche Stolpersteine, die aus der Übertragung aus der eigenen Muttersprache resultieren und die viele nicht kennen. Es soll eine Reihe vergleichbarer Stolpersteine für verschiedene sprachliche und auch interkulturelle Kontexte vorgestellt werden. Wünschenswert wäre es, dass die Teilnehmer/innen der Dienstagsrunde Beispiele aus eigener Erfahrung ergänzen, wobei es eher um Fallstricke für Experten/Fortgeschrittene als um typische „Schüler-Fehler“ gehen soll. Übrigens ist es auf der einen Seite so, dass Deutschlehrkräfte häufig berichten, dass ihre Schüler/innen immer „ins Klo“ gehen wollten und dass dies ja sehr peinlich sei, während ich diesen Ausdruck persönlich für die meisten Kontexte als völlig unproblematisch empfinde und tlw. sogar für (umgangssprachlich) völlig richtig halte. Was sagen andere hierzu?

Im Herbst 2012 hat die Deutsche Auslandsgesellschaft Neuland betreten.  Im Zuge des Projekts Deutsch 2.0 (http://deutsch2.0.deutausges.de) werden zukünftige, aktive und ehemalige Deutschlehrkräfte (zunächst vorrangig, aber nicht nur aus Nordeuropa) auf neue Art und Weise miteinander vernetzt. Die selbst gesetzte Herausforderung ist es, gleichzeitig alle mitzunehmen und die neuen Kommunikationsstrukturen im Netz so optimal wie möglich zu nutzen. Der Weg hierhin erscheint gleichzeitig sehr interessant und sehr lang.

Die Deutsche Auslandsgesellschaft e.V. (www.deutausges.de) mit Sitz in Lübeck setzt sich seit ihrer Gründung 1949 für die Pflege der deutschen Beziehungen zum Ausland und für die Förderung der inter­nationalen Verständigung ein. Sie ist eine Mittlerorganisation des deutschen Auswärtigen Amtes (www.diplo.de). Unser Gast, Martin Herold, ist Geschäftsführer der Deutschen Auslandsgesellschaft.

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